Medium vs WordPress – der Kampf um Reichweite

Erwartete Lesedauer: 6 Minuten

Medium vs WordPress

Aus der Perspektive der Benutzerfreundlichkeit und des einfachen Bloggens hat Medium einen klaren Vorteil gegenüber WordPress, dies macht es jedoch nicht unbedingt überlegen. WordPress bietet eine weitaus größere Auswahl an Funktionen , die zu einer anpassbaren, skalierbaren und leicht monetarisierbaren Website beitragen. Medium vs WordPress ist dennoch eine interessante Frage die ich hier beantworten möchte.

Genauer gesagt, WordPress ist eigentlich ein Content-Management-System und die Plattform ist sowohl für einfache Blogs als auch für komplexe E-Commerce-Websites nutzbar. Dies spiegelt sich in den neuesten Statistiken wider die den Einfluss von WordPress auf eine Reihe von Märkten hervorheben. Es wird außerdem bestätigt, dass WordPress schätzungsweise 60% des Anteils des Sektors Content Management ausmacht.

Warum verwenden aktuell viele Personen Medium?

Medium ist eine schnell wachsende kostenlose Blogging-Plattform, die es jedem ermöglicht, Geschichten zu erstellen und seinen eigenen persönlichen Bereich im Web zu haben. In diesem Artikel werde ich WordPress vs Medium mit den Vor- und Nachteilen der beiden Plattformen vergleichen. WordPress ist persönlich schon seit vielen Jahren mein Begleiter und ich bin zu 90% damit zufrieden. Medium hingegen habe ich auch vor etwa einem Jahr zum ersten Mal getestet und habe deshalb auch mein eigenes Bild davon. Wenn ich im Laufe dieses Artikels von WordPress schreibe, meine ich damit immer die selbstgehostete Version. Das heißt eine eigene WordPress Installation auf eurem Webspace unter eurer vollen Kontrolle (die Alternative wäre WordPress.com mit eingeschränkten Möglichkeiten).

Was sind die Hauptmerkmale von Medium und WordPress?

Nachfolgend habe ich die Hauptmerkmale von Medium und WordPress gegenübergestellt.

  • Eigentum an deinen Inhalten

Medium ist eine kostenlose Online-Community, in der jeder seine Geschichten teilen kann. Es ist einfach zu bedienen, zuverlässig und verfügt über integrierte Funktionen für soziale Netzwerke. Du hast jedoch keine Kontrolle über die Plattform und auch nicht über deine Beiträge. Es ist Eigentum von ‘A Medium Corporation’, und sie können jederzeit beschließen, die Plattform zu schließen, neue Preispläne anzukündigen oder dein Konto zu kündigen.

Auf der anderen Seite ermöglicht WordPress es dir, deine eigenen Inhalte und deine eigene Plattform zu besitzen. Da du deine eigene Website hast, hast du die volle Kontrolle über deine Daten und mit wem du sie teilst.

  • Anpassbarkeit an deine Vorstellungen

Medium gibt dir nicht die Möglichkeit, das Design deines Blogs zu wählen. Medium selbst wähl das Design aus und möchte von dir die Inhalte geliefert bekommen.

WordPress hingegen gibt dir eine beispiellose Kontrolle. Mit Themes, Plugins und Widgets, die dir zur Verfügung stehen, gibt es buchstäblich nichts, was du nicht tun kannst. Wenn du die Art von Person bist, die ständig Dinge anpasst, Elemente hinzufügt, sie wegnimmt, die Benutzerfreundlichkeit ständig ändert, dann gibt dir WordPress, was du willst. Medium mag für dich einschränkend sein, aber WordPress wird dich von diesen Fesseln befreien. Wenn es überhaupt Fesseln sind.

  • Deine eigene Marke aufbauen

Bei Medium werden zwar deine Inhalte, nicht aber du als Autor wahrgenommen. Das ist natürlich eine Pauschalaussage. Es ist aber doch so, dass Medium Artikel zu Geschichten zusammenführt und deine Inhalte mit den Inhalten anderer Autoren verlinkt, vermischt oder als weiterführende Information angezeigt werden. Das führt dazu, dass Nutzer sich an die Geschichte und die gute Aufbereitung auf Medium erinnern werden. Medium wird dadurch positiv wahrgenommen und die Marke “Medium” wird gestärkt. An dich als Autor wird sich hingegen ziemlich sicher niemand erinnern. Du wirst für deinen Beitrag auch nicht entlohnt werden (Stimmt nicht ganz – die Erklärung folgt im nächsten Absatz).

WordPress bietet dir die volle Kontrolle Nutzer auf deine Seite zu bringen und zu halten. Wie auch immer du deine Inhalte bewerben und darstellen willst steht dir frei. Demnach kannst du auch die Art von Nutzererfahrung (Customer Experience) umsetzen die dir und deinen Inhalten entspricht. Der Wiedererkennungswert liegt voll in deiner Hand. So lässt sich eine Marke aufbauen.

  • Bedienung

Hier liegt das Alleinstellungsmerkmal (USP / Unique Selling Proposition) von Medium. Es ist ohne irgendeiner Art von technischer Kenntnis möglich auf Medium Artikel in ansprechender Form zu veröffentlichen. Ich muss überhaupt nichts wissen abgesehen davon wie man Texte schreibt. Das Medium CMS ist bereits eine fertige Plattform bei der ihr euch nur noch mit dem Artikel selbst befassen müsst.

WordPress ist in weiten Teilen selbsterklärend. Auch das WordPress CMS ermöglicht euch mit einem klassischen Texteditor oder dem Import aus Word oder ähnlichen Formaten die Fixierung auf den Inhalt eurer Artikel. Eine Standardinstallation durchzuführen und dann nur noch Artikel einzupflegen wird aber nicht reichen. Das Ergebnis wäre, nett ausgedrückt, abstoßend und würde potentielle Nutzer sofort abschrecken. Ihr müsst also das komplette Design, alle Funktionen und vor allem die rechtlichen Belange selbst lösen. Habe ich bereits ein Impressum erstellt? Sind alle notwendigen Informationen enthalten? Was muss ich in Bezug auf die DSGVO beachten? Wie möchte ich diese und jene Inhalte anzeigen? … Diese Liste lässt sich lange fortsetzen. Je nach eurem Erfahrungslevel werden euch diese Fragen locker eine dreistellige Stundenanzahl an Arbeit bescheren.

Die Vergütung bei Medium.com

Beiträge und Artikel zu schreiben die auch Mehrwert schaffen ist echte Arbeit. Es kostet Zeit die Inhalte zu recherchieren. Sobald die Inhalte bekannt sind überlegt man sich eine Struktur und beginnt zu schreiben. Wenn man mit dem Schreiben begonnen hat fällt man schnell wieder zurück in die Recherche weil zusätzliche Informationen notwendig sind. Diese neuen Informationen wirken sich wiederum auf die Struktur des Artikels aus und so weiter. Ihr seht also, sofern es euch nicht schon klar war, die Beiträge schreiben sich nicht alleine auch wenn manche Tools und Textspinner das behaupten. Medium beteiligt besonders erfolgreiche Autoren, das sind Autoren die viel gelesen und geliked werden, an den monatlichen Nutzergebühren für die Plattform. Hier zwei Bilder die bei Medium publish auf der Seite gefunden habe:

Medium Vergütungsprogramm

Medium Vergütungsprogramm

Medium Auszahlungsstatistik August 2018

Medium Auszahlungsstatistik August 2018

Jetzt könnte man behaupten 11.000 Dollar sind bereits viel Geld und Medium eignet sich zur Monetarisierung von gut aufbereiteten Inhalten sehr gut. Es ist aber auch DER Top-Autor auf der Plattform. DER eine Autor der mehr verdient hat als alle anderen. Wo hier Personen landen die beispielsweise 40 Stunden pro Woche

Dazu möchte ich nur folgende Gedanken mitgeben die ihr für euch selbst beantworten müsst:

  • Ich habe mir diverse Blogs und deren veröffentlichte Einnahmen durchgelesen. Blogs die monatlich ca. 100.000 Aufrufe erreichen (unterschiedliche User nicht Seitenaufrufe) sollten bei monatlichen Einnahmen von EUR 1.000,- bis EUR 2.000,- liegen. Dem entgegen stehen Ausgaben von etwa EUR 500,- monatlich. Es bleiben also netto zwischen EUR 500,- und EUR 1.500,- übrig. Wie ihr auf der nächsten Grafik seht gehört Medium.com zu den 250 Besucherstärksten Seiten des Internets.

 

Medium Webseitenbenutzung

Medium Webseitenbenutzung

  • Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass Medium.com von 200 Mio. Besuchern pro Monat besucht wird. Vorhin haben wir gelernt, dass 100.000 Besucher zwischen EUR 500 und EUR 1.500,- bringen sollten. Hochgerechnet ergäbe das nun einen Wert zwischen 1 Mio. EUR und 3 Mio. EUR pro Monat. Der Unterschied zu den 11.000 Dollar brutto die Medium für den stärksten Artikellieferanten auflistet ist da doch spürbar möchte ich meinen. Die Kritiker können hier gerne sagen – “Milchmädchen-Rechnung”, die Kosten steigen ja auch für eine solche Seite! Selbstverständlich steigen diese Kosten, sie steigen aber nicht im selben Maß wie die Einnahmen. Es sollte euch bewusst sein, dass die Vergütung bei Medium.com einem sehr niedrigen Promille-Anteil von dem ausmacht das ihr selbstgemanaged erzielen könntet. Alles wäre komplizierter und ihr benötigt Infrastruktur, technisches Personal und vieles mehr das würde sich schon ausgehen.
  • Die Rechnung mit der Vergütung zwischen einer und drei Millionen EUR ist illusorisch. Es hat nichts mit dem einzelnen Autor sondern der Gesamtheit aller Autoren zu tun. Niemand hat eine Armee an Autoren, von denen noch dazu 91,7% weniger als 100 Dollar im Monat erhalten und produziert ohne Ende Beiträge. Umgekehrt lässt sich aber eines ableiten: 11.000 Dollar brutto entsprechen bei Nettoeinnahmen von 500 – 1.500 EUR pro 100.000 Besuchern vermutlich etwa 400.000 bis 1.200.000 Besuchern monatlich. Unrealistisch zu erreichen sind diese Zahlen nicht, es ist aber harte Arbeit damit verbunden. Der Inhalt deiner Texte alleine wird vom Aufwand her der kleinste Teil sein um so ein Ziel zu erreichen. Wer also einfach nur schreiben möchte – ohne langfristige Verpflichtungen und mit sofortigem Ergebnis – ist bei Medium richtig.

Meine Aufrufstatistik bei Medium

Ich habe einen Artikel im September 2017 und zwei weitere Artikel im Februar 2018 auf Medium gepostet. Beide Artikel wurden einmalig in einem Tweet verlinkt und danach so wie sie sind auf Medium.com belassen. Wie ihr sehen könnt sind die Aufrufzahlen gewaltig. Ob einer der beiden Views nicht sogar von mir selbst gekommen ist kann ich nicht sagen :-). Es ist schon klar, dass es sich bei Medium um eine englischsprachige Plattform handelt. Dennoch habe ich Artikel gewählt die einige passende Schlagwörter mitbringen und auf Medium gibt es tausende deutschsprachige Artikel. Ob es also schnell und einfach möglich ist bei Medium ein Einkommen zu erzielen bezweifle ich stark.

Medium Aufrufstatistik 9ag

Medium vs WordPress – 2 Aufrufe bei Medium vs 149 Aufrufe auf 9ag.de

 

 

Ist nun also Medium oder WordPress besser?

Medium vs WordPress kann man nicht pauschal beantworten. Somit kann man auch nicht von schlechter oder besser sprechen. Beide Plattformen haben ihre Berechtigung und dementsprechend die Usergruppe die durch sie profitiert.

  • Auf Medium finden sich vermutlich eher Personen die sich mit der Technik einer Webseite gar nicht auseinandersetzen möchten. Sie wollen dennoch ihre Inhalte präsentieren und aufbereiten und haben Spaß am Schreiben selbst. Die Leser sind zum größten Teil englischsprachig. Die Texte sollten deshalb natürlich auch am besten auf Deutsch verfasst werden.
  • WordPress hingegen spricht auch den Individualisten an der die nahezu vollkommene Freiheit liebt und alle Zügel selbst in der Hand halten möchte. Spaß am Schreiben hat der WordPress Bediener hoffentlich auch. Zusätzlich kann und musst du als Betreiber aber noch viele andere Dinge beachten und bearbeiten.

Fazit

Eine Seite mit WordPress zu betreiben die wie Medium.com aussieht ist mit den entsprechenden Templates und WordPress Verständnis möglich.

Medium.com aufzurufen und sich zu erwarten man könne die Inhalte wie auf einer WordPress Installation aussehen lassen funktioniert hingegen nicht.

 

Probiert einfach beide Plattformen aus, ihr werdet schnell erkennen was euch mehr oder weniger liegt.

 

Habe ich etwas für euch Wichtiges in diesem Artikel vergessen? Habe ich mich verrechnet oder etwas nicht richtig dargestellt? Teilt mir eure Ansichten bitte in den Kommentaren mit. 

Sources:

Bitte teilt diesen Beitrag auch mit euren Freunden:
error

Stefan

Ich bin Geek, Digitalnomade, Blogger, IT-Techniker, IT-Projektleiter, Denker, Weltverbesserer, Kritiker, Analytiker, Datenschützer, Lego verliebt, Vater, neugierig. Think first!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.