Blogparade: Vision Projektleiter 2030

Ist der Projektleiter 2030 noch vorhanden?

Diese provokante Frage hat das Projektmagazin in einem Aufruf zu einer Blogparade in den virtuellen Raum geworfen. Tatsächlich ist diese Frage so einfach und simpel, dass man sie ohne weitere Betrachtung eindeutig mit einem Jein beantworten kann. Sowohl als Beitrag zu einer Blogparade als auch als eigenständiger Artikel auf meinem Blog wird dieses Jein vermutlich nicht genug sein weshalb ich meine ausführlichere Antwort unter den Titel stelle: Projektleiter 2030, ein Näherungsversuch.

Der Projektleiter in seinen Ausprägungen

Projektleiter kann man in sehr vielen Variationen sein. Die größten Unterschiede liegen in meinem Augen in den Themen mit denen sich Projektleiter thematisch befassen dürfen oder müssen. Selbst bin ich nun seit über einem Jahr in eben dieser Rolle und kann mehrere Dinge festhalten:

  • Von außen betrachtet handelt es sich bei der Projektleitung um eine simple Tätigkeit die wenige Voraussetzungen benötigt. 
  • Aus Sicht von Projektmitgliedern die sich gleichzeitig in 5, 10 oder 15 Projekten mehr oder weniger intensiv befinden, handelt es sich bei der Projektleitung sogar um die simpelste Tätigkeit von allen ohne irgendwelche Voraussetzungen erfüllen zu müssen.
  • Der Projektleiter ist bei jedem Problem dabei.
  • Koordiniert nahezu alles, vor allem die Dinge oder Personen die nicht koordiniert werden wollen.
  • Repräsentiert jeden Fehler aber nur manche Erfolge.
  • Verwaltet Kosten und Ressourcen, aber nicht immer.
  • Dokumentiert und verwaltet.
  • Verteilt unliebsame Aufgaben.

Abschaffung der Projektleiter

Ich habe keine Angst 2030 nicht mehr benötigt zu werden. Die im Aufruf zur Blogparade erwähnte digitale Revolution findet definitiv statt beziehungsweise ist bereits in vielen Bereichen sehr weit fortgeschritten. Während nach Fachkräften gesucht wird, sterben andere Berufsbilder aus. Die Kernfrage dabei ist für mich aber welche Art von Projektleiter du bist. Ich bin, als ausgebildeter Wirtschaftsinformatiker, nun in der Rolle des IT-Projektleiters und bei der angesprochenen digitalen Revolution an vorderster Front.  Ein komplett analoger Mensch, der es gewohnt ist in einfachen Listen zu arbeiten könnte aber sicherlich an seine Grenzen stoßen und überholt werden.

Die Vernetzung als Generalist und Schaltzentrale zwischen interdisziplinären Teams zu stehen ist in meiner Organisation weit vorangeschritten. Tatsächlich gibt es in meinem Umfeld keine Projekte die nicht genau dieses Setup aufweisen da sonst die Projektwürdigkeit gar nicht gegeben ist. Es handelt sich dann nicht mehr um ein Large oder Small Project sondern ganz einfach um ein “operational Todo”. In manchen Fällen kann ein echter Projektleiter natürlich immer noch unterstützen, eine solche Todo Liste ist aber sehr häufig ganz einfach Tagesgeschäft bzw. Linientätigkeit.

Der Einfluss auf die oft unternehmenskritischen Digitalisierungsvorhaben ist dabei gewaltig. Aus meiner Einschätzung heraus trägt ein guter Projektleiter maßgeblich zum Projekterfolg bei. Besonders die Punkte Zeit und Kosten werden durch den Projektleiter maßgeblich beeinflusst.

Knautschzone Projektleitung

Zitat aus dem Aufruf: Der Projektleiter droht zerrieben zu werden zwischen lernenden Systemen, selbstorganisierten Teams und agilen Rollenbildern. Ist er letztlich nur noch die Koordinationsstelle für die Projektbeteiligten?

Lernende Systeme habe ich bereits einige gesehen und ich sehe deren Gefahrenpotenzial für Projektleiter nicht. Hier wird eine Angst geschürt die in der Realität nicht abgebildet ist. Machine Learning (das ist nicht dasselbe wie KI – Künstliche Intelligenz!) verfolgt andere Ziele und wird tatsächlich Berufsbilder obsolet machen, der Projektleiter ist nicht dabei.

Selbstorganisierte und agile Teams tun jeder Organisation gut. Hier verabschiedet sich der klassische Projektmanager wirklich von einigen Aufgaben und Kompetenzen. Diese werden an das Team übertragen inklusive dem Erfolgsrisiko und auch zu Kosten einer gewissen Unsicherheit. Es ist nicht klar wer in zehn Wochen welche Aufgaben zu erledigen hat um das vereinbarte Ziel zu erreichen. Wichtig ist aber zu wissen – es muss auch nicht klar sein. Der langgediente Projektleiter hat damit ein Problem und könnte lernen damit umzugehen. Aber auch er muss das nicht da diese Methodiken nur für manche Arten von Projekten / Entwicklungen Sinn machen und angewandt werden sollten. Es bleiben genug Projekte für Jeden…

Nur noch Koordinationsstelle für die Projektbeteiligten zu sein klingt sehr abwertend. Tatsächlich ist es aber ein Teil der Organisationsreife und Organisationskultur und wird zusätzlich stark vom Projekt Sponsor beeinflusst. In manchen Fällen kann ein solches Zusammenspiel sehr fruchtbar sein, in anderen hingegen ein Ärgernis.

Zerrieben wird der Projektleiter doch immer oder nicht? Je eher man sich der Pufferfunktion für Emotionen, Probleme, Erfolge, Schwierigkeiten usw. usw. bewusst wird desto einfacher wird einem die Tätigkeit fallen.

Fazit:

Projektleitung ist mit einigen Schmerzen und Schwierigkeiten verbunden, macht aber auch großen Spaß. Mein persönlicher Schritt in diese Richtung war sicherlich der Richtige. Ob ich 2030 noch Projektleiter bin kann Niemand beantworten, den Berufsstand selbst wird es jedenfalls noch geben. Dafür ist die Quote an Personen die bereit sind Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen einfach zu gering. (Jawohl – das war eine Pauschalverurteilung *gg*!)

Seid ihr anderer Meinung dann gerne ab in die Kommentare damit. Kritische Gegenstimmen werden nicht gelöscht, nur Spam und Werbung 😉

 

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Stefan

Ich bin Geek, Digitalnomade, Blogger, IT-Techniker, IT-Projektleiter, Denker, Weltverbesserer, Kritiker, Analytiker, Datenschützer, Lego verliebt, Vater, neugierig. Think first!

3 Comments

  1. Interessanter Blog, danke dafür!
    Die Frage, ob es Projektleiter 2030 noch geben wird, ist natürlich etwas naiv/provokant, klar wird es noch Projektleiter geben. Wobei ich schon sehen könnte, dass viele Aufgaben des Projektleiters auch von Software übernommen werden könnte.

  2. Danke für den Artikel.

    Ich denke der Projektleiter wird immer benötigt werden, ich würde mir eher Sorgen um Fachkräfte und ausführende Spezialisten machen.

    • Beispiel von heute: Ich benötige einen Bereich innerhalb der Domains meines Unternehmens den ich im Browser ansprechen kann. Intuitiv Subdomain genannt. Da in Wirklichkeit aber ein Webserver dahinter steht der angesprochen werden muss, und zwar nur intern und nicht extern, ist es gar keine Subdomain sondern ein Alias der noch dazu an der richtigen Stelle gesetzt werden muss. Ob sich so ein, auf den ersten Blick simpler, Vorgang hätte automatisieren lassen – vermutlich nicht. Deshalb sehe ich die Fachkräfte eigentlich nicht in Gefahr aber gefährdeter als Projektleiter. Danke jedenfalls für deinen Beitrag Rock

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