Afterlife – oder wie ich 3,5 Jahre ohne Facebook überlebt habe

Erwartete Lesedauer: 3 Minuten

Keine Freunde ohne Facebook

Nahezu auf den Tag genau vor 3,5 Jahren habe ich nicht nur zuletzt in diesem Blog gepostet, nein ich habe damals auch meinen Facebook Account gelöscht. Wobei die Experten unter euch nun sofort anmerken werden, dass das Löschen eines Accounts nicht möglich ist da die Daten ja nicht mir sondern dem blauen Riesen gehören. Aber ich will da mal nicht so kleinlich sein, immerhin durfte ich dafür ja die Infrastruktur nutzen. Mit dem kleinen Tracking Cookie bin ich zwar sowieso immer für Werbung und Analysen erreichbar gewesen aber das ist eine andere Geschichte. Wie verlief mein Leben ohne Facebook?

Was hat sich nun in all den Monaten getan?

Der Aktienkurs: Aus dem Ausgabepreis 2012 von 20 EUR waren Anfang ´14 40 EUR geworden und wir stehen bei tagesaktuellen 142 EUR. Hätte ich damals eine Milliarde Tulpen investiert, könnte ich nun über ca. 7 Milliarden Tulpen verfügen. Lottoziehungen gab es seither aber auch einige hundert und auch da wusste ich Montags immer welche Zahlen Sonntags weitergeholfen hätten. Ich habe halt nicht daran geglaubt und tue es weiterhin nicht.

Die Nutzerbasis: Laut den Zahlen aus dem Börsebericht sind es nun knapp 2 Mrd. aktive Nutzer. Aktive Nutzer sind Personen die mindestens 1 x im Monat eingeloggt waren. Eine Verdopplung seit 2012 die das soziale Netzwerk, oder Werbenetzwerk je nach Ansichtssache, zu einem Umsatz von knapp 10 Mrd. geführt haben. Diese Zahlen sind wirklich beachtlich.

Sensationsgier

photo credit: Robert Anders Hamburg, 7.7.17 XVIII via photopin (license)

Sensationsgier: Jeder hat die Möglichkeit jedes Ereignis sofort einer breiten Masse ohne Rücksicht auf Konsequenzen für sich und eigene zugänglich zu machen. Diverse Organisationen, Vereinigungen, Parteien und Gruppierungen wussten dieses Mittel zielgerichtet einzusetzen und so sind die Extremen extremer als je zuvor. Auch Max Mustermann ist sofort bereit Susi Sorglos und ihren 800 besten Freunden sowie deren Freunden da Bild des Motorradunfalls zu übersenden für den er auf der Gegenfahrbahn kurz anhalten musste. Meine Vorstellung der Welt war das nicht als ich ca. im Jahr 1992 zum ersten Mal “im Internet war”.

Die Welt wurde besser: Tatsächlich gab es noch nie so wenig Kriege und Kriegstote in der Welt. Auch ob die Zahl der elementaren Katastrophen gestiegen ist kann man in Frage stellen. Was sich geändert hat ist die Geschwindigkeit und die oben aufgeführte Sensationsgier der Medien und Berichterstattungen. Skandale und das Schlechte in der Welt erzeugen Aufmerksamkeit die notwendig ist um gegen tausende andere Medien zu bestehen.

Lösche 600 Facebook Freunde = 0 Freunde?

Wo die einfache Mathematik scheitert beginnt die Freizeit. Seit alle meine Facebook Freunde aus meinem Computer verschwunden sind tauchen sie regelmäßig physikalisch an diversen Orten auf. So verfügen die meisten über eindeutige Nummern die ich in meinem kleinen schwarzen Mobiltelefon eintippen kann und mich zielsicher mit diesen Personen verbinden. Offensichtlich scheint es so zu sein, dass ein Kontakt und Gespräche auch ohne der Untermalung mit Bild und Video möglich sind. Genaugenommen empfinde ich es sogar so, dass es mehr Themen zu bereden gibt als früher wo ich doch schon alle Urlaubsfotos kannte und auch genau wusste wann das Steak am Grill lag. Facebook ist ein Marketinginstrument und aus zweiter Hand höre ich immer wieder davon, dass kaum noch persönliche Beiträge, dafür aber viel mehr Influencer und gezielte Werbung auftauchen. Sich von all diesen Personen zu trennen könnte den Gedanken nahe legen Informationen zu verpassen aber ich halte dies für einen Trugschluss. Auch mit den Menschen die einem aufgrund der Distanz nicht zufällig über den Weg laufen kann man Kontakt halten wenn man das möchte.

photo credit: dronepicr Elch Korallen via photopin (license)

Was ich definitiv sagen kann ist, dass ich nicht mehr das Gefühl habe meine Urlaube wären seltener als die von Anderen bzw. weniger schön. Der Leistungsdruck einen Post mit möglichst vielen Likes zu generieren ist komplett verschwunden. Ich muss mich nicht mit dem schönsten Foto, dem originellsten Text oder der hippsten Freizeitaktivität brüsten und habe deshalb einfach mehr Zeit für eigene Dinge. Auch muss ich mich nicht aktiv darüber informieren welche Tätigkeiten im besten Fall echte Freunde, im schlechtesten Fall gezielte Werbung für mich bereit halten. Wenn es besonders schön war wird derjenige es mir früher oder später schon erzählen.

Ich kann jedem empfehlen die Erfahrung von Facebook Abstinenz, Instagram, Pinterest und wie sie alle heißen einmal zu machen. Lasst diese Medien testweise für eine Woche weg und erzählt mir wie es für euch war und ob etwas gefehlt hat oder besser wurde.

 

Update 03/18:
Quartalszahlen Q4/17 veröffentlich am 31.1.2018

Facebook verfügt derzeit über 1,4 Mrd. täglicher Nutzer sowie 2,1 Mrd. Benutzer die zumindest einmal im Monat am Netzwerk aktiv sind. Täglich werden aktuell ca. 250.000 Fotos pro Minute hochgeladen. Beeindruckende Zahlen.

Einen Facebook Account habe ich wieder – allerdings ohne Freunde. Er ist notwendig um Instagram Insights zu nutzen und auch um Zugriff auf die Werbemöglichkeiten von Facebook zu haben.

 

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Stefan

Ich bin Geek, Digitalnomade, Blogger, IT-Techniker, IT-Projektleiter, Denker, Weltverbesserer, Kritiker, Analytiker, Datenschützer, Lego verliebt, Vater, neugierig. Think first!

One Comment

  1. Hallo Stefan,
    ich nutze Facebook auch fast nur noch, weil man ohne den Account auch keine Seiten mehr verwalten kann, die man aber für Werbung braucht. Und man kann sonst auch keine Werbeanzeigen schalten. Aber privat poste ich da vielleicht zwei mal in Jahr etwas und schaue mir auch nix mehr an. Einzige Ausnahme sind liebe Freunde auf anderen Kontinenten. Da bin ich schon frohe dass ich deren Timeline ab und zu sehen kann um zu wissen,wie es ihnen geht.

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